Rassebeschreibungen Briard
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Kurzbeschreibung Briard Er ist ein rustikaler, geschmeidiger, muskulöser, gut proportionierter Hirtenhund aus Frankreich. (Rüden 62-68 cm, Hündinnen 56-64 cm) Sein Wesen ist ausgeglichen, selbstbewusst - weder aggressiv noch furchtsam mit einer guten Portion Schutztrieb. In der Familie zeigt er sich liebevoll, verschmust, tolerant gegenüber anderen Haustieren. In der Wohnung verhält er sich angenehm ruhig, aber wachsam. Sein langes Ziegenhaar hat wenig Unterwolle, haart kaum, muss aber alle ein bis zwei Wochen gründlich gekämmt werden. Er ist ein Arbeitshund und verlangt entsprechend beschäftigt zu werden. Dafür eignen sich alle Hundesportarten. - Schutzdienst - Fährten - Sucharbeiten - Agility - Hütearbeit - Obedience - Dog-Dancing - Schlitten- oder Wagenziehen - Radfahren - Rettungshundearbeit usw.... Er ist ein sensibler, aber starker Hund, der eine einfühlsame aber klare, konsequente Führung von Welpenalter an braucht.
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Sie haben sich für einen Briard entschieden ?
Dann lesen Sie bitte folgenden Text aufmerksam durch, meiner Meinung nach kann man die Problematik mit dem Umgang eines Briards nicht treffender beschreiben. Falls Sie danach immer noch interessiert sind, würde ich mich über Ihren Besuch oder ein Telefonat mit Ihnen sehr freuen.
Briards in Not - Armutszeugnis für die
Halter
von Dr. Gabriele Niepel
Wer als Hundehalter im allgemeinen und Briardliebhaber im
besonderen die Zahlen liest, wie viele Briards pro Jahr weitervermittelt werden
müssen, weil ihre Erstbesitzer sie nicht mehr halten können oder wollen, der
muss erschrecken.
Als ich einmal auf einer Mitgliederversammlung eine Zahl von um die 80 von
Ingrid Gossens hörte, dachte ich noch, ich hätte mich verhört, es hätte 18
heißen müssen. Weit gefehlt. Für das Jahr 2002 hören wir von Ulrike Theumer,
dass 61 Briards zur Vermittlung anstanden. Und wir erfahren noch mehr: In der
Regel werden die Hunde wegen „Verhaltensproblemen“ abgegeben, wobei offenbar
die erwachsen werdenden Briardrüden einen Großteil stellen.Ulrike Theumer
hatte mich angerufen und wir haben darüber geredet, wie es dazu kommen kann,
dass so viele Briardbesitzer mit ihren Schätzchen nicht fertig werden. Ulrike
wunderte sich vor allem darüber, dass dies auch Hunde betrifft, die erfolgreich
Hundesport betreiben, die eine BH haben, Agility oder Schutzdienst machen, etc.
Mich wundert das nicht und so hatten wir ein langes Gespräch, im Laufe dessen
mich Ulrike bat, doch etwas darüber für die Briardrevue zu schreiben. Eine
Bitte der ich hiermit nachkomme.
Der Hund - ein nicht demokratisch gestimmtes Rudeltier
Das heutige Problem in der Hundehaltung liegt schlicht und einfach darin, dass
zu viele Hundehalter dabei versagen, ihrem Hund verständlich und überzeugend
klar zu machen, dass nicht er, sondern sie der Chef des Familienrudels sind und
daher im Zweifelsfalle zu entscheiden haben, was das Rudel als Gesamtes oder die
einzelnen Rudelmitglieder im Besonderen zu tun und zu lassen haben.
Wir müssen uns schon damit abfinden, dass Wölfe und Hunde keine Demokraten
sind - auch wenn das vielen Hundehaltern und -trainern nicht in ihr Weltbild
passt. Alpha- und Dominanzkonzepte müssen jedoch überdacht werden, wie die
neuere Forschung zeigt.
Die Ordnung im Hunderudel
Fassen wir einmal kurz zusammen:
Das Leben im Hunderudel verläuft in einer hierarchischen Ordnung. Das bedeutet,
dass jedes Mitglied eine genau definierte Stellung hat. Es gibt einen weiblichen
und einen männlichen Rudelboss, die anderen Rudelmitglieder stehen auf jeweils
abgestuften Positionen darunter. Die Vorstellung, es gäbe nur ein männliches
Leittier, ist mittlerweile dahingehend revidiert worden, dass es offenbar zwei
getrennte Rangordnungen zwischen männlichen und weiblichen Rudelmitgliedern
gibt. Und: Es hat den Anschein, dass in vielen Fällen die Hündin und nicht der
Rüde bestimmt, wo es langgeht.
So weit, so gut. Aber: Diese Ordnung ist nicht statisch, und zwar in vielerlei
Hinsicht:
1. Einzelne Rudelmitglieder versuchen, sich in der Hierarchie nach oben zu arbeiten, weil die oberen Plätze mit den besseren Lebensbedingungen einhergehen: Wer darf z.B. die fettesten Stücke der gemeinsam erlegten Beute fressen, wer darf decken, bzw. gedeckt werden und damit die Chance zu eigenem Nachwuchs bekommen, etc. Aber auch Bosse werden älter, „funktionieren“ weniger gut, die Ablösung durch einen Jüngeren steht an. Die Jungen müssen erst einmal untereinander klarstellen, wer den Boss herausfordern darf. Ist das geklärt und hat dieses Tier dem Rudelchef eine Niederlage zugefügt, so ist es zum neuen Boss aufgestiegen, dem sich nun die anderen unterzuordnen haben.
2. Die Rudelführung wird situationsabhängig getroffen, d.h. wenn z.B. ein in der Rangordnung niedrig stehendes Tier einfach der schnellste Sprinter ist, kann dieses durchaus an der Spitze des Rudels eine Jagd auf ein Wildtier anführen. Geht es dagegen dicht an die Territoriumsgrenzen des Rudels, ist es das ranghöchste Tier das führt.
3. Die Qualität eines wirklichen Führungstiers ist gerade
daran abzulesen, dass es nicht immer auf seinen Anspruch an Führung,
Entscheidung - und vor allem Erhalt, Besitz, Verteidigung der bestehenden
Ressourcen besteht, sondern auch hier situationsabhängig agiert, wobei äußere
Merkmale der Situation ebenso einfließen wie einfach die momentane
Befindlichkeit des Cheftieres. Mal ist er so gut gelaunt, dass er die
schnöseligen Frechheiten eines Pubertierenden schlichtweg ignoriert, ein
andermal hat er einfach schlechte Laune und es gibt eine harsche Zurechtweisung.
Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass man es nicht mit einer völlig
eindeutig strukturierten Ordnung zu tun hat, sondern dass es oft auch zum Tausch
von Positionen kommt, die dann wieder rückgängig gemacht werden. Leittiere
räumen gelegentlich ihren Untergebenen Rechte ein, die eigentlich nur ihnen
selbst zustünden, sie haben es nicht nötig, ständig den Chef heraushängen zu
lassen - aber das können nur die wirklich Souveränen!
Rangordnung wird nicht darüber hergestellt, dass im Rudel permanent körperlich
gekämpft wird - das wäre für die Gesamtheit des Rudels fatal, da es mit der
Schwächung einzelner Rudelmitglieder einherginge. Vieles läuft auf subtilen
Wegen ab, ohne Einsatz von körperlicher Gewalt. Dennoch wird auch körperlich
eingewirkt. Aber diese Einwirkung wird äußerst dosiert eingesetzt; kurz,
knapp, aber heftig und in der Regel so eindrücklich, dass eine
Auseinandersetzung genügt. Der Boss im Rudel ist keinesfalls per se das
körperlich stärkste Tier, sondern er zeichnet sich durch geistige
Überlegenheit, ruhige Autorität, erfolgreiches Handeln aus.
Bereits den Welpen werden von den Alttieren bewusst Grenzen gesetzt, sie müssen
lernen, wo sie in der Hierarchie stehen und dass sie diese zu respektieren
haben. Im Prozess des Aufwachsens erlernen die jungen Hunde die Kommunikation
unter Hunden. Ein Bestandteil dieser Kommunikation ist es, wie man in einer
Situation die Überlegenheit eines anderes Hundes erkennt, wie man sich einem
solchen gegenüber verhält, wie man selber dominieren kann.
Ein Hund braucht ein Leben in einer für ihn klar ersichtlichen Rangordnung.
Lebt er mit Menschen zusammen, sind diese sein Rudel. Gesteht der Mensch dem
Hund eine über ihm angesiedelte Position zu, darf er sich nicht wundern, wenn
sein Hund diese voll ausnutzt indem er sich z.B. mit seinen Zähnen dagegen
wehrt, vom gemütlichen Fernsehsessel vertrieben zu werden.
Einordnung schafft Sicherheit - für den Hund!
Der Hund ist als Rudeltier nicht nur daran gewöhnt, dass er sich in einer
Hierarchie einordnen muss, in der klare Regeln und Verantwortlichkeiten
bestehen, sondern er braucht diese auch. Es ist unser Job als Hundehalter sich
vom ersten Tag an als Rudelführer verhalten und damit dem Hund wesentlichen
Halt zu geben.
Viele Hunde, die keine klare Einordnung in ihr Familienrudel erfahren, fühlen
sich alles andere als wohl - ihnen fehlt die Sicherheit ihre Geschicke
vertrauensvoll ganz in die Hände eines Rudelbosses legen zu können. Solche
Hunde stehen häufig permanent unter Stress, mit nachteiligen Auswirkungen auf
ihr gesamtes Verhalten. Nicht umsonst steht in der Therapie extrem ängstlicher
Hunde in der Regel die Klarstellung der Beziehung zum Halter zunächst einmal im
Vordergrund, denn oft zeigt sich, dass der Hund in einer alles andere als klar
geregelten Beziehung in übergeordneter Position lebt.
Die besonderen Eigenschaften des Briards
Nun unterscheiden sich Hunde aber in zwei sehr wesentlichen Punkten:
1. Zeigen sie ausgeprägtes Streben in der Rangordnung nach oben zu kommen oder
sind sie zufrieden mit der Position, die ihre Halter ihnen zugestanden haben?
2. Wenn sie eine ranghohe Position innehaben - nutzen sie diese dann auch in
aller Konsequenz aus?
Tja, und damit sind wir bei unseren Briards angelangt:
Der Briard gehört eindeutig zu den Rassen, die ein sehr sensibles Rangordnungs-
und Autoritätsverständnis haben. Warum ist das so? Kurz gesagt, weil er nicht
der ist, für den ihn viele halten: Er ist kein klassischer Hütehund.
Im Prozess der Domestikation ist der Hund zunächst hauptsächlich unter dem
Gesichtspunkt seines „Gebrauchs“ gezüchtet worden, was natürlich bestimmte
Charaktereigenschaften erforderte.Zwar spielen die ursprünglichen Zuchtziele
auf einen bestimmten „Job“ hin in der heutigen Zeit nur noch eine
untergeordnete Rolle, aber darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass unsere
Rassen noch spezifische genetische Potentiale mitbringen.Für das Zusammenleben
zwischen Mensch und Hund hat die genetische Veranlagung des Hundes Konsequenzen,
denn je nach Verhaltenseigenschaften des Hundes stellen sich für seine
Erziehung spezifische Herausforderungen.
Und hier muss man klar festhalten:
1. Der Briard sucht nach einer klaren Ordnung in seinem Rudel
2. Kann er diese nicht erkennen, wird er sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im
Zuge seines Erwachsenwerdens, also ca. nach dem vollendeten ersten bis zum
dritten Lebensjahr daran machen, selbst diese Position zu übernehmen
3. Hat er sich diese - ob nun eher subtil oder offen - erkämpft, will er sie
auch behalten und wird sich Frechheiten seines Menschen nicht gefallen lassen
und entsprechend agieren, was selbstverständlich auch Aggressionsverhalten in
den unterschiedlichen Stufen beinhaltet, bis hin zum reglementierenden Biss.
Warum ist das so beim Briard?
Nun, vielleicht setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass unsere Briards
nicht die klassischen Hütehunde sind, als die sie leider auch von Züchtern
immer noch verkauft werden. Sie unterscheidet ein wesentliches Merkmal von den
reinen Hütehunden wie z.B. dem Border Collie und dem Bearded Collie: Sie hatten
immer neben ihrer Hütetätigkeit auch Wach- und Schutzaufgaben zu erfüllen.
Und das bedingt einen Hund mit folgenden Eigenschaften:
Er braucht ein gewisses Maß an Selbstständigkeit und Entschlussfreude.
Er muss außergewöhnlich aufmerksam sein, seine Umwelt genau beobachten.
Er braucht selbstbewusstes Auftreten.
Er benötigt ein entsprechendes Aggressionspotential um seinen
Verteidigungsaufgaben gerecht zu werden.
Alle vier Eigenschaften prädestinieren ihn zu dominantem Verhalten.
Natürlich ist ein Briard wiederum etwas anders als ein klassischer
Herdenschutzhund, der nichts mit Hüten am Hut hat, sondern „nur“ aufpassen
und verteidigen muss und will. Entsprechend einfacher hat man es in der
Erziehung und Einordnung eines Briards im Vergleich zum Herdenschutzhund, aber
eben auch schwieriger im Vergleich zum reinen Hütehund.Warum? Nun, der reine
Herdenschutzhund ist auf absolute Eigenständigkeit hin gezüchtet, der geht
nicht erst zum Schäfer melden und anfragen, was man denn jetzt mit dem Bären
zu tun gedenke. Er braucht auch kaum Kommandos lernen, also sind diese Hunde
nicht gerade darauf gepolt, mit einem Menschen zusammen zu arbeiten und machen
ihr eigenes Ding. Hütehundbesitzer haben dagegen in der Regel wenig Probleme
damit den Hund zur Mitarbeit zum gemeinsamen Tun zu bewegen - dafür ist ein
Hütehund schließlich auch gezüchtet.
Tja, unsere Briards sind nun eine Mischung aus beiden. Sie sind gelehrig und
wenn man sie richtig anpackt hochmotiviert zur Arbeit, gleichzeitig aber haben
sie sehr wohl ihren eigenen Kopf, tragen einen Teil Eigenständigkeit in sich,
vor allem aber die Suche nach klaren Positionen - und genau daran scheitern
viele Briardbesitzer. Sie sehen nur diese unglaublich süßen, knuddeligen,
Knopfaugenteddys, die eine so starke emotionale Bindung zur ihrer Familie
zeigen, oft mit ihrem clownesken Verhalten alle begeistern und mit ihrem
Temperament und ihrer Lebenslust einfach Frohsinn verbreiten. Und in diesem Hund
soll ein selbstbewusster, auch eigenständiger Hund stecken, der seine Familie
genau auf ihre Schwächen hin beobachtet und analysiert, seine Schlüsse zieht
und entsprechend handelt?
Problematische Hundehaltertypen
In meiner Problemberatungsarbeit stelle ich immer wieder drei Hundehaltertypen
fest, die Dominanzprobleme mit ihren Hunden haben:
1. Die eine Gruppe glaubt ihren Hund ständig mit Liebesbeweisen überschütten
zu müssen. Jeder Wunsch wird ihm von den Lippen abgelesen. Mag er sein Futter
nicht, bekommt er ein anderes hingestellt, besteht er beim Spaziergang im Regen
darauf, umzukehren, dreht sein Besitzer selbstverständlich um, knurrt er beim
Fressen, ziehen sich die Besitzer verständnisvoll auf Zehenspitzen aus der
Küche zurück. Dem Hund werden keine Grenzen gesetzt - man ist ja demokratisch
eingestellt. Erziehung wird gleichgesetzt mit dem Entzug von Freiheit und das
will man dem süßen Kleinen nicht antun. Häufig handelt es sich um Besitzer
kleinerer Rassen, aber so etwas gibt es durchaus auch bei Besitzern von großen
Hunden. Und auch bei Besitzern von Briards!
2. Die zweite Gruppe glaubt ihrem Hund durch das ständige Abverlangen von
Unterordnungsübungen, die Anwendung (harter) körperlicher Bestrafung und das
Halten des Hundes auf Distanz (räumlich wie psychisch verstanden) klarzumachen,
wer der Boss ist. Überschüttet die erste Gruppe ihre Hunde mit Liebe, will
sich die zweite Gruppe mit dem Verweis auf eine zu verteufelnde Vermenschlichung
des Hundes mit Liebesbeweisen bedeckt halten. Häufig halten diese Besitzer
größere Hunde, nicht selten in Zwingern.
3. Die dritte Gruppe ist sich der Notwendigkeit einer Erziehung prinzipiell
bewusst, will das alles aber nicht so eng sehen. Sie besucht einen Hundekurs,
übt einmal die Woche, vielleicht sogar auch unter der Woche. Auf die
Korrektheit der Übungen kommt es nicht so genau an. Wenn sich der Hund nicht
gleich hinsetzt - egal, Hauptsache, beim vierten Befehl sitzt er endlich. Zieht
er permanent an der Leine, ist er eben vom Lieblingsfeind abgelenkt - da kann
man nichts machen. Im Alltag muss der Hund durchaus mal Sitz und Platz machen,
einigermaßen anständig an der Leine gehen - aber ansonsten werden ihm keine
Grenzen gesetzt, er läuft halt so als geliebter Kumpel mit. Diese Gruppe hält
Hunde jeglicher Größe und Charakterbeschaffenheit. Briardbesitzer findet man
häufig in dieser Gruppe.
Die Gruppen 1 und 3 können Dominanzprobleme bekommen - weil dem Hund keine
Grenzen gesetzt werden oder dies nur halbherzig geschieht, weil die Besitzer
sich inkonsequent verhalten, weil sie sich benehmen, als seien sie dem Hund
nachrangig.
Aber auch Hundehalter der zweiten Gruppe können Probleme bekommen, wenn sie an
den falschen Hund geraten. Ein zu ängstlicher Hund wird die Behandlung nicht
vertragen und zusammenbrechen, dafür aber keine Dominanzprobleme bereiten. Ein
einigermaßen wesensfester Hund wird bei der Behandlung ein gehorsamer, aber
nicht glücklicher Hund werden. Ein wirklich wesensfester und noch dazu dominant
veranlagter Hund könnte sich jedoch gegen die ungerechtfertigte Härte seines
„Meisters“ auflehnen. Diese Hundetypen der Gruppe 2 werden tatsächlich eher
zu gehorsamen Verhalten neigen als die Hunde in der Gruppe 1 und 3, doch sie
werden ihre Besitzer nicht als Leitfigur ansehen, der sie voll und ganz
vertrauen, zu der sie aufsehen können.
Was ist eigentlich „Dominanz“?
In der Hundeszene wird zur Zeit heftigst über Dominanzkonzepte gestritten. Das
reicht von der Ansicht, so etwas wie einen dominant veranlagten Hund gäbe es
gar nicht, weil sich Dominanz ja immer nur in der Beziehung zwischen zwei
Individuen darstelle, bis hin zu Extrempositionen, die so weit gehen, dass man
dem Hund nur dann Aufmerksamkeit schenken dürfe, wenn man mit ihm spazieren –
Verzeihung, „jagen“ - gehe, denn nur darauf laufe es in der
Mensch-Hund-Beziehung hinaus: Man müsse sich als Mensch als der Führer in der
gemeinsamen Jagd erweisen. So etwas gipfelt dann in Hinweisen, dass auch wir als
Hundebosse den Hund links liegen lassen müssen, wenn wir nicht mit ihm draußen
sind, da das Wolfsrudel angeblich nur auf der gemeinsamen Jagd miteinander
interagiere.Es ist schon vertrackt: Die einen, denen es noch nie gepasst hat,
dass ihr Hund kein demokratisch gesinntes Wesen ist, sehen in den die starren
Dominanzkonzepte relativierenden Forschungen jetzt für sich die Chance die
Notwendigkeit einer Rudelführerschaft gänzlich zu verneinen, woraus dann auch
der Schluss zu ziehen ist, dass ein Hund nur dann einen Befehl auszuführen
habe, wenn der für ihn auch einen Sinn mache, alles andere sei Gewaltausübung
am Hund.
Die anderen sehen in allen möglichen Verhaltensweisen des Hundes nur noch eine
Dominanzgeste - wie in der Tatsache, dass ein Hund sich auf die Füße seines
Menschen legt. Warum tut er das? Na klar, er will seinen Menschen dominieren.
Indem er sich auf die Füße liegt, schränkt er dessen Bewegungsfreiraum ein,
der Mensch kann sich nicht fortbewegen ohne dass der Hund es zulässt. Nun, das
kann im Einzelfall tatsächlich eine Dominanzgeste des Hundes sein, häufig ist
das Verhalten jedoch lediglich Kontaktliegen des Hundes als Ausdruck eines
Zusammengehörigkeitsgefühls.
Worauf ich hinauswill: In der Diskussion darüber, wer denn nun der Führer ist,
ob es einen Alpha gibt oder nicht, woran man dominantes Verhalten am Hund
erkennt, ob es überhaupt einen dominanten Hund gibt, etc., geistern die
abstrusesten Vorstellungen durch die Köpfe. Der gesunde Menschenverstand bleibt
hier außen vor.
Die Leidtragenden sind die Hunde, denn ihnen fehlt die Orientierung. Wir
erhöhen sie aus Unwissenheit Tag für Tag in ihrer Position, so dass sie
notwendigerweise als Chefs agieren und das wird dann mit großer Empörung
quittiert: „So ein aggressiver Hund“. Jetzt sind die Züchter gefragt, „die
müssen endlich aggressionsfreie Hunde züchten“. Der fehlgeleitete Hund wird
entsorgt und wenn es dann noch eine rassespezifische Stiftung gibt, braucht man
ja auch kein gar so schlechtes Gewissen zu haben, weil man ja zunächst seinen
Hund nicht im Tierheim ablädt.
Woran erkennt man Dominanzprobleme?
Spätestens wenn der Besitzer vom Hund gebissen wird, dürfte ihm klar sein,
dass er ein Problem mit seinem Hund hat. Anderen Besitzern wird dieses bereits
klar, wenn der Hund nach ihnen in die Luft schnappt, ihnen die Zähne zeigt oder
sie vielleicht sogar nur leise und verhalten anknurrt.
In der Regel wird erst bei offen aggressivem Verhalten des Hundes erkannt, dass
etwas schief gelaufen ist. Doch das meiste offen aggressive Verhalten hat eine
mehr oder weniger lange Vorgeschichte, in der der Hund schleichend gelernt hat
seine erwachsenen menschlichen Rudelmitglieder nicht als ihm überlegen
anzusehen. Der Hund registriert ein Machtvakuum und testet in vorsichtigen
Schritten aus wie weit er sich hocharbeiten kann. Anfangs stellt er beim
Spaziergang vielleicht nur plötzlich seine Ohren auf Durchzug. Obwohl keine
große Ablenkung vorhanden ist, bequemt er sich erst nach mehrmaligem Rufen, zu
seinem Besitzer zurückzukehren. Auf die Aufforderung, seinen Popo von der
Haustür wegzubewegen macht er einen auf tief schlafend. Er grummelt beim
Fressen vor sich hin, wenn sein Besitzer die Frechheit besitzt sich ebenfalls in
der Küche aufzuhalten. Bei der Fellpflege versucht er ständig sich zu
entwinden, bekommt er mit, dass er gebadet werden soll, zieht er sich unter das
Sofa und antwortet auf alles Locken nur mit Drohgeknurre.
Die Anfangsstadien der schleichenden Machtübernahme des Hundes verlaufen meist
so harmlos, dass den Besitzern nichts auffällt, oder sie das, was ihnen
auffällt, als nicht weiter schlimm betrachten. Doch ehe sie sich versehen
erobert sich der Hund immer mehr Nischen und setzt seinen Menschen Verbote.
Diese spricht er zunächst nur durch Knurren, dann durch Schnappen und
schließlich durch Beißen aus. Die Besitzer sind vom ersten offensichtlich
aggressiven Anzeichen ihres Hundes so überrascht, dass sie, teils aus
Überrumpelung, teils aus Angst, instinktiv zurückweichen, womit der Hund für
sich positiv gepunktet hat: Sein Verhalten war erfolgreich, also wird er es
wieder probieren.
Die wenigsten Hundebesitzer sind so reaktionsschnell und beherzt den Hund
entweder sofort mit drohenden Blicken, tiefer, energischer Stimme am Nacken zu
packen oder auf den Rücken zu werfen und dort niederzudrücken, bis sich der
Hund ergibt. Genau diese Reaktion auf den ersten aggressiven Versuch des Hundes
würde jedoch häufig den letzten Versuch des Hundes bedeuten - er traut sich
nie wieder.
Dominant veranlagte Hunde, insbesondere in der Pubertät und insbesondere
Rüden, werden die Cheffrage jedoch auch trotz dieser Maßnahme noch häufiger
stellen.
Anzeichen für Dominanzprobleme können sein:
- anknurren
- Zähne fletschen
- in die Luft schnappen
- beißen, wenn dem Hund irgendetwas nicht passt (z.B. körperliche Nähe,
angefasst werden, beim Fressen gestört zu werden, einen Leinenruck zu bekommen,
in der Ausbildung unter Einsatz der Hände seines Besitzers körperlich
korrigiert zu werden, Fellpflege)
- das Nichtbefolgen von Befehlen
- das nur zögerliche und unkorrekte Ausführen von Befehlen
- das Sträuben gegen ein Auf-den-Rücken-drehen
- das Sträuben auch nur irgendwie festgehalten zu werden
- das ständige Zerren an der Leine
- die Weigerung, den Platz zu verlassen, an dem der Hund gerade liegt
- das Vorpreschen durch Türen, Gänge, Treppen hinauf und hinunter
- das aggressive Verhalten gegenüber anderen Hunden
- das nachdrückliche Einfordern von Aufmerksamkeit
- die Besetzung strategisch wichtiger Plätze in der Wohnung, z.B. Flur,
Treppenabsatz
- das Bestreben möglichst auf erhöhten Liegeflächen zu legen wie Sofa, Bett,
Küchenbank, etc.
- bei Rüden: ständiges Markieren
- das Nichtauslassen von Gegenständen
- das Berammeln von Menschen
- das morgendliche Ignorieren des Besitzers oder das Ignorieren desselben, wenn
dieser nach Hause kommt
Wohlgemerkt: dies können Anzeichen für dafür sein, dass der Hund von sich
glaubt, eine hohe Stellung zu besitzen, müssen es aber nicht notwendig sein!
Dominanz äußert sich nicht nur aktiv in eher aggressivem Verhalten, sondern
auch in passiver Dominanz: Auf die Anweisung hin den Fernsehsessel zu räumen,
dreht sich der Hund wohlig brummelnd auf den Rücken und verlangt
Steicheleinheiten am Bauch. Beim Spaziergang kommt er zwar auf Zuruf
zurückgelaufen, dreht aber zunächst noch einige Kapriolen um den Besitzer.
Wird von ihm ein Platz verlangt, rettet er sich mit drolligem Pfötchengeben.
Soll er still liegen, schnappt er sich nach kurzer Zeit ein Spielzeug und bringt
es wedelnd seinem Besitzer, etc. Solche Hunde bringen ihre Besitzer zwar meist
nicht in Gefahr, weil sie sich nicht aggressiv verhalten, aber erzieherische
Bemühungen fruchten kaum etwas. Als lustige, häufig temperamentvolle Hunde
bestimmen sie mit Charme, wo es im Familienrudel langgeht. Die Besitzer sind
sich dessen entweder nicht bewusst oder belächeln es. Dabei wird jedoch erstens
vergessen, dass Erziehung und Gehorsam für den Hund lebensrettend sein kann und
dass zweitens auch solche passiv dominanten Hunde in aktiv dominante, offen
aggressive umschlagen können.
Wie kann man es nun richtig machen?
1. Die Züchter sind gefragt - aber nicht, indem sie „aggressionsfreie“
Hunde züchten (eine perverse Idee), sondern indem sie Welpeninteressenten über
typische Merkmale der Rasse Briard aufklären - und nicht nur über die
wünschenswerten, tollen Merkmale, sondern auch über die, die zu Problemen
führen können. Das Dominanzstreben erwachsen werdender Briards, vor allem der
Rüden gegenüber ihren Menschen, aber auch gegenüber ihren Artgenossen muss
dabei offen besprochen werden.
2. Die Züchter sind nochmals gefragt - indem sie nämlich genau hinschauen, ob jemand überhaupt Briard-geeignet ist und außerdem, wer zu welchem Welpen passt. Jeder verantwortungsvolle Züchter, der seine Welpen den ganzen Tag über begleitet, sieht sehr schnell, welcher von seinen Welpen größere expansive Bestrebungen zeigt. Nicht nur muss er als Züchter schon in den ersten 8 Wochen reglementierend eingreifen, sondern er muss genau schauen, wem er diesen Hund anvertrauen kann - und wem eben nicht.
3. Die Hundebesitzer in spe sind gefragt - sich genau über
die Rasse zu informieren und sich selbstkritisch zu fragen, ob man es nicht
vielleicht mit einer Rasse probiert, die weniger Probleme in Sachen Einordnung
bereitet, wie z.B. einem Kurzhaarcollie.
Ist sich der Interessent dessen voll bewusst, für welche Rasse er sich
entscheidet, wenn er einen Briard kaufen will und ist der Züchter der Meinung
einen guten Welpenkäufer gefunden zu haben, geht die Arbeit weiter:
Einordnung im Welpenalter
Jetzt heißt es, den Hund von Welpenbeinen an richtig einzuordnen - und nicht
erst mit Bemühungen anzufangen, wenn einem der Kleine plötzlich auf dem Kopf
herumtanzt oder gar schon die Zähne zeigt.
Das Verrückte an der ganzen Situation ist, dass es eigentlich so einfach ist
einem Hund zu zeigen, dass er unter den erwachsenen Familienmitgliedern steht.
Man braucht gar nicht viel Zeit, die man zusätzlich investieren muss, man
braucht auch keinen Hundeverein oder eine Hundeschule, alles was man braucht ist
die Kenntnis darüber, wie sich ein Hundeboss in einem Rudel verhält - und das
gilt es zu imitieren.
Und das heißt:
Hundebesitzer müssen Autorität ausüben wollen und können. Antiautoritäre
Erziehung hat nichts mit besonderer Liebe zu tun, sondern sie ist wider die
Natur des Hundes.
Nun meinen sehr viele Hundebesitzer, sie könnten Autorität über ihren Hund
nur durch (körperliche) Härte erlangen. Doch das ist ein Irrglauben. Sie
können damit dem Hund zwar Angst einjagen, doch das heißt noch lange nicht,
dass er seinen Menschen als Autorität akzeptiert. Autorität gewinnt man durch
einen kontrollierten Umgang mit dem Hund, durch das Setzen von Regeln und dem
konsequenten Bestehen auf Einhaltung dieser Regeln, durch die Vermittlung von
Ruhe und Überlegenheit in jeder Lebenssituation, durch die Vermittlung von
Erfolgserlebnissen, die der Hund immer dann hat, wenn er in Kooperation mit
seinem Menschen agiert.
Wichtig ist auch ein vorausschauendes Denken: Hundebesitzer müssen sich
angewöhnen, die Zeichen des Hundes so schnell zu entschlüsseln, dass sie ihm
immer einen Schritt voraus sind. Der Hund erlebt seinen Menschen so als einen
Allwissenden, den man nicht austricksen kann.
Im Grunde genommen braucht man sich nur einen Satz zu merken: Der Chef agiert,
die anderen reagieren. Auf die Beziehung zum Hund übertragen heißt das: Man
selbst bestimmt, wann gespielt, mit was gespielt, wie lange gespielt, wann und
wie lange und wo geschmust wird. Man selbst bestimmt, wann man zum Spaziergang
aufbricht, wie man sich auf dem Spaziergang beschäftigt, in welche Richtung man
an einer Kreuzung abbiegt. Nicht man selbst gibt auf dem Gang dem Hund ständig
Signale, indem man stehen bleibt, zurückgeht, eine andere Richtung einschlägt,
sondern der Hund muss lernen sich selbstständig am Besitzer zu orientieren.
Nicht der Mensch stürzt morgens nach dem Aufwachen zu seinem Hund und begrüßt
ihn, gleiches gilt für das Nachhausekommen.
Der Mensch hat Zugang zu allen Ressourcen, kann essen, wann und was er mag,
liegen wo und wie lange er mag, sich mit anderen Rudelmitgliedern beschäftigen,
wann und wie er es mag. Dem Hund werden keine Privilegien zugestanden, die ihn
auf falsche Gedanken bringen könnten: Er darf zeitlich nicht vor seinen
Menschen fressen und sollte sich sein Futter erarbeiten, statt es nur vor die
Nase gestellt zu bekommen. Er bekommt auch nichts von den Mahlzeiten seiner
Menschen am Tisch ab. Er darf nicht an solchen Stellen des Hauses seinen
Lieblingsplatz aufschlagen, wo er alles im Blick hat. Er hat auf Aufforderung
seinen Platz zu räumen.
Geistig-seelische Führung ist die eine Seite, aber man darf auch nicht
verhehlen, dass es durchaus auch darauf ankommen kann, dem Hund auch körperlich
gewachsen zu sein. Das allein kann bei bestimmten Kombinationen wie „zarte
Frau - bulliger Briardrüde“ schon kompliziert werden. Denn ein Hund, der
seinen Menschen mühelos an der Leine hinter sich herschleift, ihn jedes Mal von
den Beinen holt, wenn ein Kaninchen auftaucht oder sich einfach stur weigert
seine 45 Kilo von der Haustür wegzubewegen, kann natürlich dazu tendieren
seinen Menschen nicht so ganz für voll zu nehmen.
Körperliche Reglementierung?
Nun sind wir auch beim Thema körperliche Reglementierung angelangt. Sie ist -
gerade beim Briard - in der Regel nie gänzlich zu vermeiden, ist meist schon
bei den Welpen nötig. Wie diszipliniert ein Führungshund? Er diszipliniert
seine Untergegebenen durch Anstarren, starre Körperhaltung, Drohknurren, Griff
über den Fang, Packen im Nackenfell, Niederdrücken auf den Boden. Das geht
ratzfatz im Sinne eines Überraschungsangriffs - und wird dementsprechend
dosiert, wie aufmüpfig der Hund ist. So, und das kommt eben auch auf uns als
Briardbesitzer zu - in der Regel. Natürlich geht es den meisten Menschen so,
dass sie ihren Hund allein verbal kontrollieren wollen und dahin geht ja auch
das Ziel der Erziehung. Aber auf diesem Weg zum Ziel, bei dem nur noch ein Blick
reicht um den Hund von einer neuen „Schandtat“ abzubringen“, bedarf es
einfach ab und zu körperlicher Reglementierung - auch wenn ein solcher Satz
heute geradezu verpönt ist. Diese Reglementierung besteht aber nicht im
Aufhängen am Stachelhalsband, im Tritt in die Seite, dem Umdrehen der Hoden
oder einer gezielten „Kopfnuss“, sondern in einer der Hundesprache
angemessenen Form. Natürlich kann ich einem Hund mittels Tritten Schmerzen
zufügen und ihm damit klarmachen, dass ihm diese Schmerzen wieder drohen,
sollte er das unerwünschte Verhalten nochmals zeigen. Aber als Geste eines
überlegenen Tieres begreift der Hund die oben genannten Maßnahmen wie den
Schnauzgriff. Und wer seine erwachsenen Hunde beim Reglementieren der eigenen
Welpen beobachtet, weiß es genauso wie aufmerksame Beobachter von Geschehen in
Hundegruppen: Diese Formen der Reglementierung werden verstanden, führen nicht
zum Vertrauensverlust, man benimmt sich hinterher ganz normal, keiner der
Beteiligten ist nachtragend etc.Bei Miniwelpen, die sich beispielsweise das
Angefasst- und auf den Arm genommen werden, während sie doch eigentlich viel
lieber mit einem Kumpel spielen oder einen Puschen zerlegen wollen, sofort
mittel Einsatz ihrer Beißerchen verbieten wollen, reicht - leider - in der
Regel kein Anstarren aus. Böses Grummeln, ein Schnauzgriff oder Nackenstubs
nach unten sind viel effektiver - und die Probleme fangen so erst gar nicht an.
Briards in der Welpenspielstunde
Minibriards in der Welpenspielstunde zeigen erstaunliches
Wehrhaftigkeitsverhalten, wenn ihnen etwa nicht passt - und agieren gerne gleich
mit Lefzenhochziehen, Attacke nach vorn, Zubiss. Ist der Welpe deswegen
verhaltensgestört - natürlich nicht!!! Der zeigt Testverhalten. Ihm passt was
nicht, er artikuliert das auf seine Hundeweise - und wir sollte ihn nun eben im
wahrsten Sinne des Wortes ratzfatz auf den Boden der Tatsachen zurückholen: „Mich
als Chef knurrst du nicht nochmals an und geschnappt wird schon gar nicht“.
Welpenbesitzer stehen dann erstaunt und erschrocken da, sehen ihr schreiendes
„Baby“, das sich kurz nach der Reglementierung mittels Anstarren, verbalem
Anschiss und Niederdrücken durch den Übungsleiter schon wieder begeistert ins
Vergnügen stürzt und von da an besonders gerne zum Übungsleiter geht, ihn
begeistert begrüßt, sich gern bei ihm aufhält - obwohl dieser „schlimme“
Mensch ihn so heftig angefahren und mal kurz auch noch auf den Boden gedrückt
hat - und nicht nur das, er hat ihn auch noch da gehalten, bis das Strampeln
aufhörte.Ich persönlich finde es immer wieder erschreckend, wie die Welpen
sich an mich als Übungsleiter in einer Spielstunde anschließen, bei mir
Sicherheit suchen, wenn es z.B. darum geht über einen bedrohlich schwankenden
Steg zugehen - Sicherheit, die der eigene Mensch (noch) nicht gibt. Solche
Welpen lassen sich im dicksten Getümmel fortan verbal reglementieren, während
der eigene Halter es nicht einmal geregelt bekommt seinen Welpen unter Kontrolle
zu halten, wenn er ihn an der Leine hat. Woran liegt das wohl? Ich denke, dass
gerade Briardwelpen sehr schnell merken, dass in so einer Gruppe klare Regeln
herrschen, dass sie genau merken, wer hier die Regeln aufstellt, ohne selbst
schon davon betroffen gewesen zu sein. Und wenn sie dann auch noch selbst direkt
reglementiert werden, ist alles klar: Das ist die Chefin, mit der macht alles
irre Spaß, da habe ich tolle Erfolgserlebnisse auf dem Abenteuerparcours, etc.
Die Welpen sind nicht eingeschüchtert, sondern voller Freude und Vertrauen.
Dieses Verhalten zeigen jene Welpen umso mehr, bei denen man bei Beobachtung der
Interaktion mit ihren Besitzern oder auch bei Gesprächen schnell heraushört,
dass diese ihren Hund eben nicht einordnen, sondern ihn in einem Vakuum lassen.
Für mich ist nach Bekanntschaft mit annähernd 1000 Welpen eines völlig klar:
Bereits der kleine Welpe sucht einen festen Orientierungspunkt, eine
verlässliche Person, die ihn nicht nur füttert und mit ihm spazieren geht,
sondern die ihm die Dinge des Lebens zeigt, ihm ein Gerüst aus festen Grenzen
schneidert, innerhalb derer er Freiheiten genießen kann. Eine Person, die auch
über ihn lachen kann, ihm mal Frechheiten zugestehen kann, dosiert eingreift,
nicht immer nur nach dem Motto verfährt: Daumen drauf. Briards erscheinen mir
da ganz besonders sensibel und quittieren schnell die Schwächen ihrer Besitzer.
Erziehungskurse und Hundesport als Lösung?
Was beim Welpen versäumt wurde, wird nicht besser. Im Gegenteil: Irgendwann
kommt der junge Hund nicht mehr so brav auf Zuruf, erweitert seinen
Aktionsradius, interessiert sich mehr für andere Hunde als für seine Besitzer.
Das Zerren an der Leine hat er zwar schon immer gemacht, aber jetzt tut es
richtig weh, weil er so schwer geworden ist!
Tja, und dann kommt der Gedanke, man müsse vielleicht doch einmal einen
Erziehungskurs besuchen?
Und hier geht der nächste Irrglauben los: Das Beibringen von Leinenführigkeit,
Sitz, Platz, Bleib, etc. soll genauso wie ein super Verfolgen einer Fährte oder
ein fehlerfreier Flug über den Agilityparcours notwendigerweise ein Beleg für
eine funktionierende Rangordnungsbeziehung sein.
Klar: Ein Hund, der seinen Menschen als Chef akzeptiert, wird Befehle, sofern
sie ihm gut beigebracht worden sind und er sie auch wirklich versteht,
ausführen. Umgekehrt wird aber kein Schuh daraus: Nur weil ein Hund Befehle
ausführt, heißt das noch lange nicht, dass er seinen Chef als Chef akzeptiert!
- Wieso? Hier kommt das Thema Motivation ins Spiel: Warum sollte sich ein Hund
dagegen wehren, auf Befehl mit über den Parcours zu rennen, wenn ihm kaum etwas
mehr Spaß bereitet? Warum soll er einen Platzbefehl verweigern, wenn es ihm
einfach egal ist, ob er nun steht, sitzt oder liegt?
Wie weit ein Hund seinen Menschen wirklich als Chef akzeptiert, sieht man dann,
wenn er Befehle erhält, die seinen inneren Bedürfnislagen entgegenstehen: Er
liebt beispielsweise andere Hunde und will unbedingt schnell hin - lässt er
sich auf entsprechenden Befehl hin an lockerer Leine weiter führen oder nicht?
Er liebt Wasser, darf aber wegen einer Blasenentzündung heute mal nicht hinein
- lässt er sich zurückrufen oder nicht? Er sitzt voller Begeisterung im Auto,
sieht bereits, dass die Fahrt zu seinem beliebten Spazierweg geführt hat, freut
sich wie ein Irrer aufs anstehende Toben und Rennen, will endlich raus - wartet
er auf entsprechenden Befehl hin ruhig bei geöffneter Klappe die Erlaubnis ab,
oder stürzt er hinaus?
Worauf ich hinauswill: Gerade weil wir - Gott sei Dank - in der Ausbildung über
Motivation arbeiten, ist das tolle Laufen eines BH-Schemas oder ein super
Revieren nicht unbedingt der Tatsache zu verdanken, dass wir unseren Hund von
unserer Chefposition überzeugen konnten, sondern u.U. allein der Tatsache, dass
der Hund gelernt hat mit uns zusammen Spaß haben zu können.
Natürlich ist das auf der einen Seite vollkommen in Ordnung. Mensch und Hund
arbeiten zusammen, haben beide ihren Spaß, das stärkt die Bindung - und kann
auch die Rangordnung stabilisieren, aber es ist nicht automatisch ein Garant
für eine funktionierende Einordnung des Hundes! Es ist keine große Leistung,
einen Hund dazu zu bewegen etwas zu tun, das er sowieso gern macht und auch
nicht etwas zu unterlassen, das ihm eh nicht wichtig ist. Ihn von etwas
abbringen, das seine Leidenschaft ist, bzw. ihm etwas abzuverlangen, das er
eigentlich blöde findet - das erfordert die „Einsicht“ des Hundes, dass er
eben tun muss, was der Chef von ihm will.Hunde haben damit kein Problem - ihre
Menschen machen eins daraus. Weil sie meinen, partnerschaftlicher Umgang
bedeute, man gehe gleichberechtigt miteinander um. Es gibt Hundetrainer, die
ihren Kunden allen Ernstes einbläuen, dass sie als Hundehalter eben
missverständlich kommunizierten, wenn ihr Hund sich gerade mal nichts ins Platz
legen will. Doch aus der Erkenntnis als Trainer, dass viele Hundehalter
tatsächlich so abstrus mit ihrem Hund kommunizieren, dass der gar nicht wissen
kann, was er eigentlich machen soll, kann nicht die These abgeleitet werden, es
handle sich per se immer nur um Missverständnisse. Häufig handelt es sich um
Austesten: Beharrt der Alte jetzt darauf, dass ich tue, was er will oder nicht.
Der Besitzer hat es im Alltag versäumt dem Hund klar zu machen, dass letztlich
er als Mensch die Entscheidung trifft.
Der Unterschied zwischen Beibringen und Abverlangen
Leider wird in der modernen Hundeerziehung häufig ein gravierender Fehler
begangen:
Die erste Stufe stimmt noch: Man bringt dem Hund über motivierende Erziehung
etwas bei, so dass er versteht, was man von ihm möchte - sei es das Verbleiben
im Platz, das Apportieren eines Gegenstandes, das Einfädeln in den Slalom, das
Auslassen von unerlaubten Gegenständen.
Doch die zweite Stufe wird nicht in Angriff genommen: Das Aberverlangen des
Gelernten. Macht der Hund auch beim dritten verbalen Zeichen noch kein Platz,
geht die Hand in die Leckertasche, bewegt sich zu Boden – et voilà, der Hund
liegt im Platz. Hat er hiermit einen Befehl befolgt und wird dafür mit einem
Leckerchen belohnt? Nein, er trainiert seinen Menschen darauf, bitteschön immer
ein Lecker auf den Boden zu legen, bevor der Hund sich legen soll. Den Hund
dagegen nach der zweiten, wohlgemerkt freundlichen Aufforderung mit den Händen
ins Platz zu legen - das grenze ja schon gleich wieder an körperliche Gewalt
ist und sei daher prinzipiell abzulehnen. Was lernt der Hund?: „Ob ich Befehle
befolge, entscheide letztlich ich.“Insofern kann auch die Teilnahme an einem
Erziehungskurs die Mensch-Hund-Beziehung nicht nur nicht verbessern, sondern gar
verschlechtern, denn:
1. Der Hundehalter glaubt ernsthaft, er widme sich ja jetzt der Erziehung des
Hundes auf dem Hundeplatz, macht vielleicht auch noch die Hausaufgaben. Aber
ansonsten bleibt alles beim Alten.
2. Wenn der Hundehalter richtig Pech hat, gerät er an Vertreter der modernen
Kuschelstrategie: „Dein Hund macht nicht Platz - dann hast du ihn wohl nicht
richtig motiviert?“ Der Hund lernt, seine Menschen nicht ernst zu nehmen und
zu manipulieren.
Dann wird er geschlechtsreif, er reift langsam zum Erwachsenen, hat eine
Biographie hinter sich, in der ihm ständig Dinge zugestanden worden sind, die
eigentlich nur dem Chef zustehen und mit Menschen gelebt, die keine
Führungsqualitäten haben. Er zieht die Konsequenz, macht, wozu er Lust hat.
Oft merkt noch immer keiner etwas, wenn das, wozu der Hund Lust hat, nicht so
sehr den Interessen seiner Menschen widerspricht. Aber dann kommt der Tag, an
dem der Mensch etwas will, was der Hund absolut nicht will: Er soll z.B. aus dem
Weg gehen, weil sein Mensch dieses Mal ein Tablett mit lauter Gläsern darauf
hat und sich das ansonsten übliche Umkurven des Hundes, den man ja nicht
stören will, nicht zutraut. Der Hund reagiert auf Ansprache nicht, wird leicht
mit dem Fuß angestupst, damit er endlich aufsteht. War dem Hund in diesem
Moment seine Ruhe aber wichtig, fühlt er sich extrem gestört, so wird er
seinen Menschen zumindest anknurren, denn das Verhalten, das der Mensch gezeigt
hat, geziemt einem Untergebenen nicht. Und als solchen nimmt der Hund seinen
Menschen wahr. Der Hund handelt sachlogisch konsequent - der Mensch ist hier der
Versager.
Und wie geht die Geschichte aus? Man gibt diesen Hund ab - und holt sich den
nächsten, vielleicht von einem anderen Züchter, „der nicht so aggressive
Hunde züchtet“! Selbsteinsicht gleich Null.Der Leidtragende ist der Hund -
ich brauche wohl kaum einem Briardbesitzer erzählen, wie sensibel diese Hunde
sind, wie stark sie sich auf ihre Familie fixieren!
Über falsch verstandene Dominanzprobleme
So wichtig es ist, als Hundehalter die Rangordnung im Familienrudel stets zu
beobachten und unter Kontrolle zu halten, so bedeutet dies jedoch nicht, in
jedem Problem mit dem Hund gleich ein Dominanzproblem zu sehen.
Nicht jeder Hund, der seinen Besitzer anknurrt, tut dieses um ihn zu dominieren.
Häufig ist der Hund durch das Verhalten seines Besitzers verstört,
verängstigt, fühlt sich in die Ecke getrieben und knurrt, schnappt, beißt aus
einer Abwehr heraus, weil er das Gefühl hat sich verteidigen zu müssen. In
dieser Situation mit der körperlichen Unterwerfung des Hundes zu reagieren,
weil man meint, man habe ein Dominanzproblemen, macht die Sache nur schlimmer.
Nicht jede Form des Ungehorsams bedeutet, dass ein Hund seinen Besitzer nicht
als Boss respektiert. Zwar ist es sicherlich richtig, dass man einen jagenden
Hund wenn überhaupt nur qua eigener Dominanz und äußerst konsequenter
Erziehung davon abbringen kann, doch generell gilt doch eher der Fall, dass der
Jagdtrieb mit dem Hund durchgeht. Ein Hund, der aus Panik vor Autos wie wild an
der Leine zerrt um von der Straße wegzukommen, stellt damit nicht primär das
Recht seines Halters in Frage den Spazierweg bestimmen zu können, sondern er
ist von seiner Angst so bestimmt, dass für ihn in dem Moment nur noch die Angst
zählt und sonst gar nichts. Ein Hund, der auf Grund mangelnder Sozialisation
mit anderen Hunden im Welpenalter ein gestörtes Verhältnis zu seinen
Artgenossen entwickelt hat und diese nur noch „fressen“ will, kann zwar nur
durch die Dominanz seines Besitzers unter Kontrolle gebracht werden, doch muss
seine Aggression gegenüber den Artgenossen nicht ein Infragestellen der
Position des Besitzers bedeuten. Ein Hund, der an der Leine zieht, ist nicht
automatisch ein schlechter untergeordneter Hund als einer, der nicht an der
Leine zieht.Einzelne Verhaltensweisen allein bestimmen nicht, wie der Hund seine
Rangposition einschätzt, sondern die Gesamtheit seiner Verhaltensweisen.
Schnellschüsse im Hinblick auf ein angebliches Dominanzproblem helfen ebenso
wenig wie die Verleugnung eines solchen. Hier hilft häufig tatsächlich nur der
geschulte Blick eines guten Hundeerziehers, der unterscheiden kann, ob es sich
um ein Dominanzproblem handelt oder um etwas anders. Denn eines ist beim Briard
offensichtlich: Einerseits tendiert er zwar deutlich zu dominantem Verhalten,
andererseits ist es aber auch typisch für ihn bei wahrgenommener Bedrohung eher
nach vorne zu gehen als die Flucht zu ergreifen. Der unerfahrene Besitzer sieht
beide Male nur einen knurrenden und schnappenden Briard.
Fazit:
Es bleibt dabei: Einen Hund abgeben zu müssen, weil man an einem Punkt
angekommen ist, an dem man erkennen muss, dass man Angst hat vor ihm, dass alle
Familienmitglieder bestimmte vom Hund diktierte Regeln einhalten müssen, damit
es nicht zu einer Eskalation innerhalb der Familie kommt, weil man einsehen
muss, dass man in der Konfrontation mit anderen Menschen oder anderen Hunden
keine Kontrolle mehr über den eigenen Hund hat - all das ist ein Armutszeugnis
für den Besitzer, nicht für den Hund. So einen Hund einzuschläfern ist ein
Verbrechen. Es gibt nur ganz, ganz selten organische Ursachen für
Aggressionsverhalten beim Hund, in der Regel sind Bissvorfälle auf falsches
Verhalten des Menschen zurückzuführen.
Ich kann nur die Arbeit unser „Briard in Not“ Beauftragten bewundern, die
mit all diesem Mist konfrontiert werden. Menschen, die sich bewusst für einen
Briard in Not entscheiden, ihm eine zweite Chance geben, kann ich nur Mut
machen. Gerade bei Rangordnungsproblemen ist Hopfen und Malz nicht verloren -
man kann so vieles tun um das wieder gerade zu biegen, bzw. in der neuen
Beziehung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Der Briard kapiert sofort, mit wem
er es zu tun hat und wird sich - häufig zutiefst beglückt über das Finden
eines souveränen Führers - gerne in seine neue Familie einordnen, wenn diese
es richtig anstellt.
von Dr. Gabriele Niepel veröffentlich in der Briardrevue
Ausführliche Rassebeschreibung
Der Briard
Die Herkunft - Der Briard zwischen gestern und morgen
aus dem 1. Zuchtbuch des „Club für französische
Hirtenhunde e.V.“ von Ruth Oess
von der CFH-Webseite.
Die Geschichte des Berger de Brie ist tief eingebettet in die Historie des Schäferhundes schlechthin. Die Bezeichnungen Hirten-, Hüte-, Herden-, Treiberhunde werden wechselweise gebraucht und bezeichnen nicht immer streng differenziert seinen jeweiligen Gebrauch. Sie lassen aber gleichzeitig die Vielfalt erkennen, die den Dienst des Hundes kennzeichnet. Viele kynologische Forscher sind sich darin einig, daß der Hund des Hirten zunächst nur die Aufgaben hatte, Hirt und Herde vor Raubtieren wie Bär, Wolf, Luchs und Fuchs, sowie vor herumstreunendem Volk, vor Räubern oder mißgünstigen Nachbarn zu schützen. Erst mit zunehmender Landaufteilung - in Frankreich etwa nach der Französischen Revolution - verlagerte sich die Aufgabenstellung vom reinen Schutz- und Wachdienst zur Hütefunktion. Der Hund sollte das Ausbrechen der Herde in fremdes Gelände verhindern, um den damit verbundenen Flurschaden vermeiden helfen. Darüber hinaus hatte er in schwierigem und gefährlichem Gelände (Hochgebirge, Felsenlandschaft, Schluchten, Moore usw.) das Zusammenbleiben der Herde zu gewährleisten. Diese neugestellten Aufgaben brachten auch Änderungen des Hundetyps mit sich. Es kam zu Kreuzungen und Züchtungen vorwiegend leichterer Hunderassen durch die Schäfer. Die Variationsbreite der heute bekannten Schäferhund-Rassen und -Typen hat zweifellos ihren Grund in diesem Wandlungsprozeß. Interessant erscheint mir aber die Beobachtung, daß es noch in vielen Großregionen neben den kleineren Hütehunden die größeren Schutzhunde gibt, die dem Hirten mit verschiedener Aufgabenstellung zur Seite sind (Frankreich Pyrenäenschäferhund neben Pyrenäenberghund; Ungarn Puli neben Kommondor). Das war vor allem in besonders gefährdeten Gebieten der Fall und hat sich bis in unsere Tage erhalten. Diese Beobachtung könnte eine eigene Abhandlung werden. Von mehreren Fachleuten wird auch auf die interessante Tatsache hingewiesen, daß Hirtenhunde aus aller Welt ein hohes Maß an Gemeinsamkeit haben, sowohl in Bezug auf das Erscheinungsbild wie in Bezug auf Wesen und Verhalten. So ist m.W. in unserem Klimakreis kaum ein glatthaariger Hütehund zu finden. Das Fell variiert vom Rauh- und Stockhaar bis zum Superbehang, etwa des Kommondors oder des Puli. Etwa in der Mitte dieser Spanne finden wir den langhaarigen Briard, dessen Behang aber ebenfalls Varianten nach der einen oder anderen Seite aufweist. Natürlich wird er in der Vergangenheit kaum mit dem sorgsam gepflegtem Behang eines heutigen Ausstellungs- und Begleithundes konkurrenzfähig gewesen sein. Denn er war durch und durch Arbeitshund, der viele Strapazen zu durchstehen hatte, die nicht eben „fellfreundlich“ waren. Die vom Hund geforderten Eigenschaften waren vorwiegend: Ausdauer, Wetterfestigkeit, Bedürfnislosigkeit, Herdentreue, Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Mißtrauen gegenüber allem Fremden und dem normalen Tagesablauf Zuwiderlaufendem. Die vielen Hirtenhunden gemeinsame Eigenschaft des Umkreisens weist in die Jahrhunderte des Hütedasein zurück. Sie gewährt dem aufmerksamen Beobachter die aufregende Möglichkeit, eine Wesensprägung zu erleben, die sich durch Gebrauch und Zuchtwahl über große Zeiträume hinweg genetisch fixiert und erhalten hat. An diesen Zuchtergebnissen haben die Hirten vergangener Tage großen Anteil. Sie machten sich wohl die Eigenschaft der die Gehöfte und Siedlung umkreisenden Hunde zu eigen, indem sie sich bei der Einkreuzung solcher Hunde bedienten. Die Schulung durch den Schäfer vertiefte die Prägung. Prof. Dr. Konrad Senglaub vertritt die Ansicht, daß diese speziellen Eigenschaften des Hütehundes nur durch züchterische und hundehalterische Bemühungen bewahrt werden können. In freier Wildbahn würde diese Eigenschaften bald verloren gehen. Das dürfte aber mit der Zeit auch für die Stadt-Haltung von Hunden zutreffen. Lassen wir uns also nach Möglichkeit auf unseren Spaziergängen weiterhin fröhlich umkreisen, indem wir uns als Schafherde fühlen. Über den Ursprung der Hirtenhundrassen gibt es eine Fülle von Theorien und Hypothesen, die aber alles in alles deutlich machen, wie sehr kynologische Forschung teilweise noch im Dunkeln tappt. So wollen einige Forscher in dem Hirtenhund einen Nachfahren des sogenannten Bronze-Hundes sehen, was durch den Vergleich ausgegrabener Schädel bekräftigt sei. Wer sich auf kynologische Forschungsreise begibt, muß des öfteren die enttäuschende Entdeckung machen, daß alte überlieferte Rassenbezeichnungen, die auch heute noch gängig sind, keine Gewähr für die Identität der damit bezeichneten Rasse von einst und jetzt bietet. Die Kunst bietet mit Hundedarstellungen auf Gemälden, Wandteppichen und Kirchenfenstern, mit Plastiken, Buchmalerei und anderen Wiedergaben ein reichhaltiges Feld für Mutmaßungen und Vergleiche. Doch handelt es sich dabei um ein Informationsmaterial, das jedenfalls kritisch gesichtet und behutsam gedeutet werden sollte. Natürlich heften sich an solche Darstellungen auch Geschichten und Geschichtchen, die aufregendes oder rührendes über den dargestellten Hund zu berichten wissen, aber meistens ins Reich der Legende führen. So soll Alberich von Montdidier im 12. Jahrhundert zu Ehren eines Briards eine Kathedrale errichtet haben. Dieser Hund habe seinem Sohn das Leben gerettet. Sogar Karl der Große soll schon Briard-Besitzer gewesen sein. Für diese Behauptung werden alte Gobelins herangezogen. Wen wundert es, daß tausend Jahre später auch Napoleon selbstverständlich Briards sein Eigen genannt haben soll. Es ist ebenso amüsant wie liebenswert, Alter und Bedeutung der geliebten Hunderasse auf diese Weise bewiesen zu sehen. Und es ist nur zu verständlich, daß diese Liebe dabei gegenüber anderen Rasseliebhabern in den Triumph ausbricht: „Mein Hund ist älter und bedeutender als deiner!“ Aber wie gesagt: In nur wenigen Fällen sind solche Berichte und Deutungen verbürgt und als Historie anzubieten. Schon gar nicht bei den Schäferhundrassen, die niemals im Glanz des herrschenden Adels gestanden haben, wie Jagd- und Hetzhunde. Der Name „Berger de Brie“ wird erstmals im Jahr 1809 erwähnt, und zwar durch Abbe Rozier, der in seinem „Cours d´Agriculteur“ unter anderen Hunderassen auch den Briard benennt. Man muß aber wissen, daß er damit alle Hirtenhunde der Ebene bezeichnete, im Gegensatz zum Chien de Loup (Wolfshund), der als der „Matin“ des Mittelalters bekannt ist. Hinzu kommt, daß der Name „de Brie“ das Vorkommen dieses Hundes keineswegs auf die genannte Landschaft beschränkt, ja, daß er dort nicht einmal häufig anzutreffen gewesen sei. Für genauere Auskunft reichen aber solche Angaben nicht aus. Die Geschichte einer Rasse ist nur so weit präzise zurückzuverfolgen, wie es ernsthafte Zuchtbuchführung oder andere entsprechende Registrierung ermöglicht. In dieser Hinsicht ist den Engländern viel zu verdanken. Von der Mitte des vorigen Jahrhunderts an bildete sich in England immer mehr eine planmäßige Hundezucht mit Zuchtbuchführung heraus. Mit der Gründung des Kennel Clubs von England im Jahr 1873 wurde auch das Hundestammbuch (Kennel Club Sud book) geschaffen, dessen 1. Band 1874 in Birningham mit 4027 Hunden, die in vierzig Klassen eingeteilt waren, erschienen. Diese vorbildlichen kynologischen Bemühungen fanden bald Nachahmung in anderen Ländern. In Frankreich, das eine imponierende Tradition an Hundeliteratur aufzuweisen hat, erfolgte 1882 die Gründung der „Societe Centrale Canine pour l´Amelioration des Races de Chiens en France“, der Zentralverband zur Förderung der Hunderassen in Frankreich. Aus der Vereinigung der Liebhaber von französischen Schäferhundrassen um 1896 ging 1909 der Club der Briardfreunde hervor: Le club les Amis du Briard. Seine Gründung eröffnete uns heute die Möglichkeit, eine exakte „Ahnenforschung“ unseres Briards zu betreiben und die Zucht planmäßig und gezielt wahrzunehmen. Verbunden mit diesen Clubgründungen war die Organisation von Hundeausstellungen in kleinerem und größerem Rahmen, meistens im Rahmen von Landwirtschafts- und Jagdausstellungen. Hierbei wurde in der Konkurrenz zunächst die Nützlichkeit betont; erst mit der Zeit gewann die Schönheitskonkurrenz den Platz, den sie heute durchweg einnimmt. In der französischen kynologischen Forschung hat sich Pierre Megnin (1828-1905) große Verdienste erworben. Er begründete bereits 1885 die kynologische Zeitschrift „L`Eleveur“ (Der Züchter). Viele Beschreibungen und Abhandlungen stammen aus seiner Feder.
Im Briard sieht P. Megnin das Ergebnis einer Kreuzung zwischen dem Chien Berger Francais und dem Barbet (Zeichnung links). Ersterer dürfte mit dem Berger de Beauce identisch sein, letzterer mit dem Jagdpudel. Magnin bezieht sich des öfteren auf Buffon (1707-1788), in denen 36-bändigen Werk „histoire naturelle generale et particuliere“ auch eingehend der Hund behandelt und in Kupferstichen dargestellt wird. Sicher gilt Buffon hinsichtlich seiner Abstammungshypothesen weitgehend als überholt. Aber da bei ihm - im Gegensatz etwa zu Linne - die Naturbeschreibung überwiegt, ist er nach wie vor interessant und von großem Wert für die Kynologie. Ich kann in diesem Zuchtbuch die Anstammungstheorie P. Megnins anhand zweier Kupferstiche aus Buffon beschreibt 1785 den „Chien de Berger“ (Zeichnung rechts) so: Kurze aufrecht stehende Ohren, Schwanz waagrecht oder nach oben zurückgebogen, manchmal auch hängend. Das Fell ist lang und bedeckt den ganzen Körper mit Ausnahme der Schnauze und Außenseite des Beins, der unteren Beinpartie und der Fersen. Vorherrschende Farbe ist schwarz. Den abgebildeten Hund schildert er folgendermaßen: Am Hals grau, ebenso auf Brust und Bauch. Beine und Schwanz haben mehr gelb als schwarz. Auch finden sich gelbbraune Flecken über den Augen und ebensolche Färbungen auf der Schnauze. „Man nennt diese Rasse Chien de Berger, denn man gebraucht sie zur Bewachung der Herden“. Über den Grand Barbet schreibt er: Er hat einen dicken und runden Kopf, breite und hängende Ohren, kurze Beine, gedrungenen und kurzen Körper. Die Stellung des Schwanzes ist fast horizontal, das Fell lang und am ganzen Körper gekräuselt, von einer Art, die es erschwert, die wahre Figur des Tieres sich vorzustellen, weil seine sämtlichen Körperpartien von einem buschigen Fell bedeckt sind. Vorherrschende Farben sind weiß und gelblich-weiß. Indessen gibt es auch rotgelbe, schwarze .... usw. Mag die Abstammungsthese Megnins auch nicht unwidersprochen sein, rein optisch hat sie einiges für sich, wie Sie an den Bildern erkennen können. Paul Megnin, der Sohn von Pierre, ebenfalls Kynologe wie dieser, unterstreicht diese Hypothese mit der Bemerkung, daß der chien de Brie „ein wenig unserem alten Barbet oder dem Griffon ähnelt (Nos Chiens, 1923). Der bekannte deutsche Schäferhundspezialist von Stephanitz (1863-1936) - Mitbegründer des „Verein für deutsche Schäferhunde“ (1899) - beschäftigt sich mit der allgemeinen Vorgeschichte des Schäferhundes eingehend. Auch er weist auf viele überraschende Gemeinsamkeiten der Hirtenhunde hin. Er stellt fest, daß dem Chien de Brie vor 170 Jahren vielfach noch der „Matin“ zugesellt worden sei, um ihn für die eigentliche Aufgabe des Hütens freizustellen. Diese Aussage unterstreicht die Betonung vieler anderer Kynologen (so auch Sedir), daß der Hütehund vor allem leicht und beweglich sein müsse, auf keinen Fall aber zu groß sein darf. Die Standartbegrenzung der Höhe hat hierin ihren historischen Grund. V. Stephanitz unterscheidet den rauhhaarigen und den zotthaarigen Briard und schließt folgende Hypothese an: „Da die zotthaarigen Briards nicht unerheblich größer sind als die rauhhaarigen, stellen erstes wohl, entsprechend unseren Altdeutschen, die Reste des altfranzösischen Schäferhundes dar. Während die kleineren, Rauhhaarigen vielleicht auf die Einkreuzung von Beauceronblut zurückzuführen sind. Verstand und Zuverlässigkeit wird bei ihnen besonders gerühmt (Der Deutsche Schäferhund in Wort und Bild von Stephanitz-Grafrath, II. Teil, 1909). The Kennel Encyclopaedia des Britischen Kennel Club (1908) enthält einen Artikel von Henry Sodenkamp über französische Schäferhunde. Der Verfasser weist darauf hin, daß die Briards vor allem in den Ebenen der Somme und der Beauce - aber nur selten in der Brie - zu sehen sei. Er übernimmt die These, daß es sich beim Briard um eine sehr alte Rasse handle. Er vermerkt ein wachsendes Interesse am Briard, der seit 1896 immer mehr als Showdog ins Blickfeld rücke. Seine Wertschätzung drücke sich auch in den hohen Preisen für diese Rasse aus. Die Rasse sei in den letzten Jahren (also um die Jahrhundertwende) sehr verbessert worden. Seltsam sei es allerdings, daß die beste Zucht in Belgien zu finden sei. Sodenkamp nennt den stärksten Zwinger „La Hulpe“ der Madame Verlinde (mit großer Wahrscheinlichkeit stellt die in meinem Besitze befindliche Lithographie „tete de briard“ einen Hund aus diesem berühmten Zwinger dar. Ich fand sie in Brüssel). Die für uns heute bedeutsame Informationsquelle stellt zweifellos das Buch von Sedir (Pseudonym von Yvon le Lou, 1871-1926) dar; Le Berger de Brie, chien de France (1926, wieder auf- gelegt 1978). Eine deutsche Übersetzung des Buches wäre dringend zu wünschen. Es enthält unter vielen anderen Beschreibungen, Erfahrungen, geschichtliche Anmerkungen zum Thema Briard, auch die Standardentwicklung von 1897 bis 1978. In diesem Standard, die in unregelmäßigen Zeitabständen überarbeitet und als verbindlich aufgestellt wurden (1897 - 1909 - 1925 -1978), wird die Bemühung deutlich, die historisch überlieferte Eigenart des Hundes gegen ausgesprochene Modeströmungen zu schützen (etwa gegen den Wunsch, seine Größe anzuheben). Das heutige Erscheinungsbild soll am Urbild des im Hütedienst eingesetzten Briards orientiert sein. Somit dient der Standard auch einer ersthaften Traditionspflege, die ein ganz besonderes Maß an Interesse und Verständnis fordert. Dies läßt einzelne Beschreibungen des Briards besonders informativ erscheinen. Beispielsweise, daß es im oberen Becken der Garonne einige Briards von kleiner Höhe (50 cm Schulterhöhe) gegeben habe, die natürliche Stehohren hatten (C. Leseble). Und Sedir bezieht sich auf die Beobachtung eines bekannten Richters (M. Sauvage), der in der Brie vielen kleinen und feurigen Briards begegnet sei, mit natürlichen Stehohren und von gelber Farbe. Wie unterschiedlich der Typus der Berger de Brie zur damaligen Zeit war, zeigen zwei Abbildungen in diesem Buch. Sie bilden ein Stück illustrierter Briardgeschichte: 1863 wird der Briard auf der ersten Hundeausstellung in Frankreich gezeigt. Meine Tochter hat in Paris eine sehr seltene Lithographie ausgestöbert, die einen braungefärbten Hund mit dem Namen „Charmante“ zeigt. Eine Kopie diese Bildes überbrachte ich dem Präsidenten des Französischen Clubs. Es löste besondere Überraschung aus, weil als bisher bekanntes frühestes Bild das ebenfall abgebildete von „Sans-Gene“ galt, die zwei Jahre später (1865) von M. Gersent ausgestellt und von Pierre Megnin gezeichnet worden war. Sedir stellt ausdrücklich fest, daß „seit 40 Jahren“ (also seit ca. 1880) die Züchter bemerkenswerte Verbesserungen in der Zucht erreicht hätten. Seit dieser Äußerung sind bis heute wiederum 50 Jahre vergangen. Seit der Gründung des „Club für französische Hirtenhunde“ ist natürlich auch das deutsche Interesse an der Briard-Geschichte gewachsen. Zwar ist eine große Flut von Hundebüchern zu verzeichnen, aber nur wenig eigenständige Forschung. Vieles wird einfach abgeschrieben und unkritisch übernommen. Da weiß ein sehr dekorativ ausgestattetes großes Hundebuch unter dem Stichwort „Briard“ erstaunliches zu berichten: „Im Laufe der Jahrhunderte ist dem Briard sicher das Blut vom Deerhound (!), vom Barbet und vom Griffon zugeführt worden. Bis zur Trennung der beiden Rassen haben häufige Kreuzungen mit dem Beauceron stattgefunden“.
Seit langem gibt es Briards in Deutschland, aber bis 1975 nur vereinzelte Liebhaber dieser Rasse. 1975 fand dann die Gründungsversammlung des „Deutschen Briard-Clubs“ statt und ein Jahr später wurde der Vereinsnamen geändert in „Club für französische Hirtenhunde e.V.“, so wie er heute noch besteht. Alle 3 Rassen, also Briard, Beauceron und Picard, werden von ihm betreut. Jahre später entstand hieraus ein zweiter Club, der „Briard Club Deutschland e.V.“. Bis heute wurden über 4000 Hunde in das Zuchtbuch des CFH eingetragen. Der Briard erfreut sich immer größerer Beliebtheit, aber es konnte bisher Gott sei Dank vermieden werden, dass er zu einem Modehunde hochgejubelt wurde.
Die Lebenserwartung des Briards
Der Briard gehört, sehr zu unserer Freude, noch zu einer gesunden und robusten Rasse. Seine Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei ungefähr 10 Jahren. Typische Krankheiten sind nicht bekannt. Die Hüftdysplasie hat man durch strenge Zuchtauflagen gut im Griff und so kommt es doch selten vor, dass ein Briard so schwere HD hat, das er operiert oder sogar eingeschläfert werden muss, wie das von einigen anderen Rassen immer wieder zu hören ist. Für den Magendreher sind vor allem grosse Hunderassen leider manchmal auch Kandidaten. Auch wieder nicht rassetypisch, trifft es aber hin und wieder doch einen Briard. Mir sind aber positive Fälle bekannt, d.h. die aufmerksamen Hundebesitzer haben es rechtzeitig erkannt, schnell und richtig reagiert und so konnten die Hunde erfolgreich operiert werden. Hat man seinen Hund erfolgreich und gesund alt werden sehen, lassen sich aber die Alterszipperlein trotzdem nicht aufhalten. Aber das gehört zum Leben!
Man sagt immer, der Briard ist ein „Herz mit Haaren drum herum“. Das beschreibt allerdings den "gut erzogenen" Briard ziemlich genau und deshalb haben wir uns in diese Rasse verliebt. Als Hirtenhund hütete er früher die Schafe. War die Herde in Bewegung, lief der Hund herum und hielt sie zusammen. War die Herde ruhig, suchte er sich ein Plätzchen und schlief. Heutzutage ist es die Familie, die er behütet. Wenn er als Familienhund leben darf, baut er eine gute Beziehung zu ihnen auf. Er wird von sich aus auf „seine Leute“ achten und immer um sie herum sein. Grund genug, warum sich der Briard nicht als Ketten- und Hofhund eignet. Er hat noch einige ganz besondere Eigenschaften, die ich hier aufzählen möchte: temperamentvoll, wachsam, misstrauisch gegenüber Fremden, arbeitsfreudig auf dem Hundeplatz, ob das Breitensport oder Rettungshundearbeit ist. Er eignet sich auch zum Schutzhund. Verspielt - untereinander und mit Menschen und keine Kläffer. Einen Jagdtrieb hat er nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel), auch wenn er gerne mal einem Vogel oder Hasen nachrennt. Aggressionen sind nicht erwünscht, denn als Familienhund wünscht man sich ja einen zwar wachsamen aber nicht unbedingt scharfen Hund. Aber das allein ist nicht nur der guten Herkunft sondern auch einer konsequenten Erziehung zu verdanken. Bei regelmäßigen Besuchen auf dem Hundeplatz und den Arbeitstagen, die der Club anbietet, lernt man, die Hunde richtig zu erziehen und sie somit zu umgänglichen Hunden zu machen, die einen jederzeit überall hin begleiten können. Mit der richtigen Mischung aus Konsequenz und Liebe bekommt man einen treuen Gefährten, auf den man sich verlassen kann.
(vom 1.12.1989) FCI-Standard Nr. 113, Ursprung: Frankreich 6.5.88, Übersetzung: U. Fischer u. A. Loew
Allgemeine Erscheinung Rustikaler Hund, geschmeidig, muskulös und gut proportioniert, mit lebhaften und aufgeweckten Bewegungen, von ausgeglichenem Wesen, weder aggressiv noch ängstlich. Größe 62-68 cm die Rüden, 56-64 cm die Hündinnen.
Die Körperlänge muss größer sein als die Höhe. Der Briard ist länglich. Kopf Stark, lang, ausgeprägter Stop, der so platziert sein muss, dass er von der Nasenspitze den gleichen Abstand wie vom Hinterhauptbein aufweist, ausgestattet mit Haaren, die Bart, Schnauz und Augenbrauen bilden, letztere verdecken leicht die Augen. Stirn Sehr leicht gerundet. Oberkopf Geradlinig.
Schnauze Weder schmal, noch spitz
Nase Mehr viereckig als rund, Nasenspiegel immer schwarz, kräftig, offen Zähne Stark, weiß und perfekt zueinander passend.
Augen Waagrecht, gut geöffnet, eher groß, nicht schlitzäugig, von dunkler Farbe, mit intelligentem und ruhigem Ausdruck. Ein graues Auge bei einem grauen Briard wird nicht bestraft.
Ohren Hoch angesetzt. Vorzugsweise kupiert und aufrecht getragen, falls sie in ihrer natürlichen Form belassen wurden, eher kurz und nicht anliegend. Bei gleicher Qualität soll dem Hund der Vorzug gegeben werden, dessen Ohren kupiert aufrecht getragen werden. Die Länge des natürlichen Ohres soll die Hälfte der Kopflänge nicht überschreiten oder eher etwas kürzer sein, immer flach und mit langen Haaren versehen.
Körperbau Muskulöser, von der Schulter abgesetzter Hals. Brust Breit (handbreit zwischen den Ellenbogen), tief und gut bis zu den Ellenbogen herabgezogen.
Kruppe Wenig geneigt, leicht gerundet. Rücken gerade Läufe gut bemuskelt, mit starkem Knochenbau und senkrecht gestellt.
Sprunggelenke Nicht zu nahe am Boden und so gewinkelt, dass der Hintermittelfuß annähernd senkrecht steht.
Rute Ungekürzt, gut behaart, am Ende einen Haken bildend, niedrig und nicht von der geraden Linie abweichend getragen, muss die Spitze des Sprunggelenkes erreichen oder diese um höchst. um 5 cm überschreiten.
Pfoten Stark, rund geformt (Zwischenform zwischen Katzen- und Hasenpfoten). Krallen Schwarz Pfotenballen Hart Zehen Geschlossen
Haar Gedreht, lang, trocken (Ziegenhaarstruktur) mit leichter Unterwolle.
Fellfarbe: Alle einheitlichen Farben sind zugelassen, ausser die unten aufgeführten. Die dunklen Farben sind empfehlenswerter. Nicht mit Zweifarbigkeit zu verwechseln ist ein leicht heller Farbton der Gliedmassen, was nichts anderes ist, als ein beginnende Depigmentierung ist. Diese Farbe, nur wenig heller, muss im selben Farbton bleiben (dunkles Fauve auf hellem Fauve, dunkles Schwarz auf hellem Schwarz, dunkles Grau auf hellem Grau). Das Fauve muss warm und einheitlich sein, weder hell noch ausgewaschen. Strafgründe: Schwarz mit rötlichem Schimmer; ungenügend warmes Fauve; weißer Brustfleck; zu stark charboniert; an der Grenze zur Mantelbildung; sehr helles fauve - ausgewaschen.
Gründe zur Disqualifikation:
Die Farben weiss, Kastanien- oder mahagonie braun, bicolor, weißer Bruststreifen, weiße Haare am Ende der Pfoten. Fauve mit charboniertem Mantel. Zu helle Farbe. Bicolor: Im Bereich der dunklen Haare ist die Haut bläulich und im Bereich der hellen Partie rose. Afterkrallen Doppelte Afterkrallen an den Hinterläufen. Hunde, selbst von sehr gutem Typ, die nur eine Afterkralle aufweisen, können nicht prämiert werden. Sie können nicht zur Zucht zugelassen werden. Die doppelten Afterkrallen müssen aus zwei knochigen Teilen mit Kralle bestehen, so nah wie möglich am Boden angesetzt, um so eine bessere Auflage des Fußes zu gewährleisten.